Schwulsein auf dem Land: Der einzige Schwule im Dorf?

Viele schwule Männer bevorzugen das Leben in der Stadt. Gleich nachdem sie die Schule oder die Berufsausbildung abgeschlossen haben, verlassen viele junge Schwule die ländliche Region, in der sie aufgewachsen sind, und ziehen in die Stadt. Denn nur dort, so der gängige Glaube, können homosexuelle Männer offen schwul leben und ihre Sexualität ausleben. Denn während es in der Provinz nur Spießer und Schützenfeste gibt, locken Großstädte mit einer großen Schwulenszene, Gay Clubs, Sexpartys und CSD-Paraden.

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Auch ich wollte als junger Mann lieber in der Großstadt als in der Provinz leben. Ich träumte von den glitzernden Lichtern der Metropolen, interessanten Menschen und der Möglichkeit, jeden Abend der Woche in eine andere Kneipe oder Disco gehen zu können. Dummerweise lernte ich dann meinen Traummann kennen – und der wohnte nicht in Hamburg, Köln, Berlin oder München, sondern in der nächsten Kleinstadt. So sehr ich ihn liebe, haderte ich trotzdem viele Jahre mit unserem Leben in der vermeintlichen Provinz. Während ich am Samstagabend auf Facebook verfolgte, wie meine Freunde mit der U-Bahn zur nächsten Party fuhren, schlenderten wir durch die menschenleere Fußgängerzone der Kleinstadt vom Italiener nach Hause. Statt Party stand bei uns “Wetten Dass…” auf dem Programm.

So kannst Du auf dem Dorf offen schwul leben

Doch mit zunehmendem Alter, wurden mir auch die Vorteile des schwulen Lebens auf dem Land immer bewusster: Gute Freunde, ein überschaubares und vor allem vertrautes soziales Umfeld sind für jeden Menschen besonders wichtig. Die Natur und frische Luft sind weitere Gründe, die für ein Leben in der Provinz sprechen. Und ja, sogar schwuler Sex lässt sich auf dem Land problemlos finden: auch in unserer Kleinstadt gibt es Cruising Areas im Park oder am Badesee, öffentliche Klappen und sogar ein gut besuchtes Pornokino. Das Publikum dort fand ich übrigens schon immer deutlich interessanter als in der Stadt!

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Und außerdem hatte zumindest ich das große Glück, im wahrsten Sinne des Wortes nicht der einzige Schwule im Dorf zu sein. Neben mir haben sich – sage und schreibe – noch drei weitere Mitschüler meiner ehemaligen Schulklasse als homosexuell geoutet! Und genau die Drei waren schon damals meine besten Freunde. So war erst kürzlich die Schwulendichte beim 20-jährigen Abi-Treffen des Kleinstadt-Gymnasiums ungewöhnlich hoch.

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Mein Tipp für junge Gays: Geht offen mit Eurer Homosexualität um und behandelt andere Menschen genauso respektvoll wie Ihr es für Euch selbst erwartet. Dann kann man auch auf dem Land ganz selbstverständlich schwul leben. Weder ich noch meine Familie haben uns je schwulenfeindliche Sprüche anhören müssen. Ob Familienfeiern, Dorffeste oder Gottesdienste in der Kirche: mein Mann und ich gehören ganz selbstverständlich überall dazu und genießen unser schwules Landleben mittlerweile sehr!

Mario

Mario betreibt das Reiseblog beingboring.de. Ursprünglich als Musikblog gestartet, ist das Blog nach seinem Lieblingslied des schwulen Popduos Pet Shop Boys benannt. Mittlerweile berichtet Mario auf seinem Blog hauptsächlich über Reisen, die er gemeinsam mit seinem Partner unternimmt. Dabei schreibt er über schwulenfreundliche Hotels, Pauschalreisen, Städtereisen und Kreuzfahrten aus einem schwulen Blickwinkel und gibt Tipps für interessante Clubs, Bars und Cruising Areas vor Ort.

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